Titelbild Warum es sich lohnt Babygebärden uu lernen

Warum deine Kinder Gebärden lernen sollten

Wenn Menschen beobachten, dass ich Babyzeichen benutze, um mit meinen Kindern kommuniziere, fragen sie oft, ob sie gehörlos sind. Und wenn ich das verneine und ein paar Worte darüber verliere, wie bereichernd Gebärden für Kinder sind, staunen sie. Wie sieht’s bei dir aus? Kennst du dich mit dem Thema schon aus oder bist du gerade erst neugierig auf Kindergebärden geworden? Hier in meinem ersten Beitrag auf https://www.binilingo.de kannst du dich davon überzeugen, warum es sich so richtig lohnt, dass deine Kinder, egal ob hörend, sprechend oder nicht, Gebärden lernen sollten. Denn wie heißt es in einem auf Friedrich Nietzsche zurückgehenden Zitat?:

Warum sich Gebärden für Kinder lohnen: Zitat Friedrich Nietzsche - Wer ein Warum hat, dem ist kein Wie zu schwer

Vielleicht hast du schonmal die Begriffe Babygebärden, Kindergebärden, Baby signs oder Babyzeichen gehört. Sie alle stehen für Handzeichen, die lautsprachenunterstützend bei der Kommunikation mit in der Regel hörenden Kindern verwendet werden. Vielleicht weißt du noch nicht, wofür das gut sein soll, wenn dein Kind doch gut hören kann und zeitgerecht entwickelt ist. Oder du fängst gerade an Gebärden zu lernen und in die Kommunikation mit deinem Kind zu integrieren und es läuft noch nicht so, wie du es dir vorstellst. Dann sag ich dir jetzt, warum du anfangen oder dran bleiben solltest, Gebärden mit deinen Kindern zu lernen.

Also los geht’s!

Gebärden lernen mit gehörlosen oder hörgeschädigten Kindern oder mit Kindern mit Behinderungen

„Wenn dein Kind gehörlos oder schwerhörig ist, ist es selbstverständlich, dass du mit ihm zusammen Gebärden lernst und im Alltag benutzt.“ Das war meine Annahme, als ich begann, mich mit dem Thema Kindergebärden zu beschäftigen. In vielen Artikeln, wie z.B. diesem von Taubenschlag.de habe ich inzwischen jedoch häufig gelesen, dass ich mich da täusche. Es gibt tatsächlich Ärzte und Fachleute, die von der Verwendung von Gebärdensprache abraten. Die Kinder sollen sich durch ihr eventuell noch bestehendes Rest-Hörvermögen oder durch Lippenlesen die Lautsprache aneignen. Wie traurig ist das denn bitte? Das ist ja gerade so, als würde man einem Fisch sagen, er soll auf den Baum klettern. Ich finde diese Vorstellung ganz ganz schrecklich und mag mir gar nicht ausmalen, wie es den Kindern geht, wenn ihnen die Kommunikation mit ihren Mitmenschen derart schwer gemacht wird. Es könnte doch, zum Beispiel durch Gebärden, so einfach sein.

Für mich stellen Gebärden für jeden Menschen, egal ob groß oder klein, hörend oder nicht, auf jeden Fall eine Bereicherung dar.

Und deshalb habe ich mir vorgenommen, auch an dieser Stelle eine Lücke zu schließen. Ich möchte aufklären über den Nutzen von Gebärden, sowohl für hörende, als auch für nicht hörende Kinder. Und neben Babygebärden für hörende Babys und Kleinkinder möchte ich später auch ein größeres Spektrum der Deutschen Gebärdensprache für hörbeeinträchtigte Kinder vermitteln. Das ist noch Zukunftsmusik, aber du kannst mir gern am Ende des Beitrags deine E-Mail-Adresse dalassen, wenn du dabei sein möchtest, wenn es losgeht. 

Als ähnlich sinnvoll betrachte ich Gebärden für Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen. Besonders natürlich dann, wenn sie in ihrer Sprechfähigkeit eingeschränkt sind oder ihre Sprachentwicklung verzögert ist. Oft sieht man Gebärden zum Beispiel bei Kindern mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) im Einsatz. Den betroffenen Kindern fällt das Lernen und Zeigen von Gebärden leichter, als Worte zu sprechen. Deshalb sind sie ein willkommenes Hilfsmittel, um sich mitzuteilen, solange sie (noch) Schwierigkeiten mit der Lautsprache haben.

Warum hörende Kinder Gebärden lernen sollten

Vermutlich nicht ganz so einleuchtend ist es hingegen, warum du auch mit deinen hörenden gesunden und zeitgerecht entwickelten Kindern unbedingt Gebärden lernen solltest. Auch für mich war das noch nicht so sonnenklar, als ich 2016 unseren ersten Babygebärdenkurs bei Babysignal buchte. Wie genial es ist, wenn das gerade mal 9 Monate alte Baby mit seinen Händen seine Gedanken ausdrücken kann, hab ich dann ganz schnell erfahren. Wie das damals war, kannst du auf der „Über mich“-Seite nachlesen.

Bei hörenden Kindern entwickelt sich die Lautsprache ganz natürlich, indem sie sozusagen in Sprache baden. Ohne darüber nachzudenken, umgeben wir sie tagtäglich mit einer großen Menge an gesprochener Sprache. Die Kinder nehmen sie ungefiltert wahr und entnehmen daraus selbständig ihren Wortschatz und die Regeln der Sprache. 

Und wozu braucht es dann noch Gebärden?

Nunja, wusstest du, dass Babys schon mit etwa 6-8 Monaten motorisch und kognitiv in der Lage sind, Gesten und Handzeichen nachzuahmen und mit Dingen oder Handlungen in Bezug zu setzen? Viel früher also, als sie die Lautsprache erlernen. Die Fähigkeit, sich verbal mitzuteilen beginnt etwa mit einem Jahr, sich zu entwickeln und dann dauert es nochmal 1-2 Jahre, bis der Wortschatz groß genug ist, um eine Vielzahl komplexer Inhalte zu vermitteln. Das bedeutet also, durch die Verwendung von Gebärden haben Kinder viel früher die Möglichkeit klar und verständlich mit uns zu kommunizieren und müssen nicht erst abwarten, bis sie verbal dazu in der Lage sind. Bis zur vollständigen Ausbildung der Lautsprache können Babygebärden eine nützliche Ergänzung darstellen. 

Sicherlich hast du schonmal ein Baby gesehen, das zum Abschied winkt, oder? Und hast du schonmal ein Kind gesehen, das in diesem Alter schon Tschüss oder Winkewinke sagen kann? Ich kenne jedenfalls keins. 

Eine der ersten Gebärden, die Kinder lernen, ohne dass es bewusst gefördert wird, ist das Winken

Das Winken des Kindes ist tatsächlich eine von ihm erlernte Gebärde. Wir Erwachsene winken oft ganz intuitiv und automatisch, wenn jemand den Raum verlässt und wir uns verabschieden. Wir unterstreichen mit unserer Gestik unsere Worte. Vielleicht richten wir uns auch (ebenfalls ganz intuitiv) an unser Baby und sagen sowas wie: „Sag Tschüss“ oder „Mach winke winke!“. Das Baby beobachtet uns und lernt, dass diese Geste damit in Zusammenhang steht, dass jemand weggeht. Und eines Tages ist es soweit. Das Baby hebt selbst die Hand und ahmt das Winken nach. Daraufhin verstärken wir die Verknüpfung zwischen Winken und „jemand geht weg“, indem wir uns wie Bolle freuen und sowas rufen wie: „jaaa, super“. Oder dem Kind wird zurückgewunken. Das Kind freut sich nun ebenfalls darüber und merkt: „Aha, was ich da gemacht hab, hat etwas bewirkt.“ Das ist das Selbstwirksamkeitsprinzip. Das Kind lernt, dass es selbst durch bestimmte Handlungen etwas bewirken kann. Und bei nächster Gelegenheit wird es die Geste wiederholen und schauen, ob es mit seinem Winken die gleiche Reaktion erzeugt. Und so hat dein Kind dann die Gebärde für „Tschüss“ gelernt. Das alles ist ein ganz natürlicher Prozess, den wir uns meist gar nicht so bewusst machen.

So können deine Kinder Gebärden auch ganz gezielt lernen.

Dieses Prinzip können wir uns zunutze machen, indem wir lernen, unserem Kind ganz bewusst für verschiedene Gegenstände, Situationen und Handlungen des Alltags immer wieder Handzeichen zu zeigen. Es wird eine Verknüpfung zwischen der Gebärde und ihrer Bedeutung herstellen und sie in vielen Fällen schließlich selbst benutzen. So können sie deutlich ihre Bedürfnisse und Gedanken ausdrücken, bevor sie sprechen lernen. Sie können uns zum Beispiel zeigen, wenn sie Hunger oder Durst haben, wenn sie müde sind oder ihnen kalt ist. Oder sie können ihre Freude über das Tier oder das Baustellenfahrzeug, das sie gerade entdeckt haben, mitteilen. Und dann ist da noch die Lieblingsgebärde vieler Eltern und Kinder: „Nochmal!“. Sie kommt meist beim Spielen zum Einsatz, wenn ein Kind so richtig Spaß hat und nicht genug bekommen kann.

Die Besonderheit bei diesen Babygebärden ist, dass sie immer zusammen mit dem gesprochenen Wort gezeigt werden. So kann beides vom Kind erlernt werden, die Gebärdensprache und die Lautsprache .

Wie auch größere hörende und sprechende Kinder Gebärden lernen und im Alltag nutzen können

Dass Gebärden für den alltäglichen Umgang mit unseren Babys und Kleinkindern oder mit unseren in ihrer Hör- und Sprachfähigkeit eingeschränkten Kindern nützlich sein können, ist nun sicher klar geworden. Aber sogar größere hörende und sprechende Kinder und letztendlich auch Erwachsene können von Gebärden profitieren.

Für die alltägliche Kommunikation sind die Gebärden dann vielleicht nicht mehr so interessant, aber es gibt Situationen, in denen sie absolut nützlich sind.

Inklusion

Nehmen wir mal den Inklusionsgedanken. Viele fremdsprachige Menschen umgeben uns tagtäglich. Mit Hilfe von Gebärden kann hier ein zusätzlicher Kanal geschaffen werden, um sich zu verständigen und ihnen das Erlernen der jeweiligen Landessprache zu erleichtern.

Viele Gebärden, wenn auch nicht alle, sind logische Verbildlichungen des Gesagten. Bei der Gebärde für „Essen“ führen wir zum Beispiel die Hand zum Mund, als würden wir uns etwas in den Mund stecken. 

Wenn wir also die Gebärdensprache lernen und im Gespräch mit unserem anderssprachigen Gegenüber verwenden, besteht eine gute Chance, dass er uns versteht, auch wenn er selbst die Gebärdensprache nicht beherrscht.

Kinder, die Gebärden lernen, haben ein wichtiges Hilfsmittel an der Hand, um Sprach- und andere Barrieren im zwischenmenschlichen Kontakt abzubauen

Gehörlose, hör- oder sprachbeeinträchtigte Kinder haben es oft schwer in einem regulären Kindergarten- oder Schulsystem. Würden mehr Kinder von Beginn an die Gebärdensprache lautsprachbegleitend lernen, könnte diese Barriere abgebaut werden.

Wie bereichert es unseren Alltag, wenn unsere Kinder Gebärden lernen?

Du siehst, Gebärden können in vielerlei Kontexten zum Einsatz kommen und sinnvoll sein.

Also warum lohnt es sich denn nun, wenn deine Kinder Gebärden lernen?

Kommunikation über Lautsprache ist manchmal schwierig oder unpassend

Sicher kennst du die Situation. Es ist laut und man versteht sein eigenes Wort kaum. Dann ist es doch sehr hilfreich, wenn man sich durch Handzeichen kurz austauschen kann, oder? Vielleicht hat dein Kind Hunger oder muss mal zur Toilette. Mit den entsprechenden Gebärden ist das schnell geklärt, ohne schreien zu müssen.

Oder du führst gerade ein wichtiges Gespräch und dein Kind möchte dich etwas dringendes Fragen. Wenn es gelernt hat, Gebärden zu benutzen, kann es das nun tun, ohne dich im Gespräch zu unterbrechen.

Achtsamkeit und Bindung

Wenn wir mit unseren Kindern Gebärden lernen, beobachten wir sie sehr aufmerksam. Wir sind dann besonders achtsam und das stärkt die Bindung

Gebärden fördern die Bindung und Achtsamkeit zwischen Kind und Bezugsperson, da wir unser Kind viel aufmerksamer beobachten. Schließlich wollen wir ja nicht verpassen, wenn es uns etwas sagen möchte. 

Sprachentwicklung

Gebärden fördern den Spracherwerb. Dass Gebärden die Sprachentwicklung verzögern ist ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Gebärden wirken unterstützend bis die Kinder beim Sprechen angekommen sind.

Wie oben schon am Beispiel des Winkens beschrieben, ist die Selbstwirksamkeit ein wichtiger Faktor beim Erlernen von Sprache. Und diese Selbstwirksamkeit können Kinder schon sehr früh erfahren, zum Beispiel, wenn sie die ersten Gebärden zeigen und ihr Umfeld darauf reagiert.

Sobald sie die ersten Worte nachahmen, möglicherweise begleitet durch die passende Gebärde, und wenn die Bezugsperson darauf reagiert, greift auch hier wieder die Selbstwirksamkeits-Erfahrung: „Aha, wenn ich diese Töne mache, dann passiert etwas“. Und so verstehen Kinder recht früh, dass es sich lohnt, nicht nur Gesten, sondern auch Worte nachzuahmen.

Mit der Zeit werden dann die gesprochenen Worte in den Vordergrund rücken. Dein Kind wird abwägen, was gerade einfacher ist, die Aussprache des Wortes oder das Zeigen der Gebärde. Je komplexer die Zusammenhänge sind, die es mitzuteilen versucht und je leichter und schneller das Sprechen klappt, umso weniger wird dein Kind die Gebärden nutzen.

Interessant für die Sprachentwicklung werden Gebärden auch dann, wenn ein Kind mehrsprachig aufwächst. Wird das gleiche Handzeichen für denselben Sachverhalt genutzt, schafft sie eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Worten und erleichtert das Verständnis und das Erlernen der Sprachen. 

Effektiver lernen mit Unterstützung von Gebärden

 

Mit Gebärden können wir leichter lernen, da wie wie ein Anker wirken

Gebärden unterstützen das Lernen. Wenn es um Wissenserwerb und das Einprägen von Wissen geht, können insbesondere größere Kinder Gebärden zum Lernen einsetzen. Sie wirken wie ein Anker, der das Gelernte nochmal festigt. Hast du schonmal gehört oder erfahren, dass du dir Dinge besser einprägen kannst, wenn du ein Bild vor Augen hast? Wenn du dir die Gebärde dazu vorstellst, kannst du dir damit diesen visuellen Kanal eröffnen und zu nutze machen. Doch dazu ein anderes mal mehr.

Geheimbotschaften

Eine ganz wunderbare Anwendungsmöglichkeit von Gebärden sind „geheime Botschaften“. Guuut, das funktioniert nicht mehr, wenn alle Welt die Gebärdensprache beherrscht. Aber bis ich die Weltherrschaft an mich… äh…die Gebärdensprache überall bekannt gemacht habe, dauert es noch ein Weilchen ;-).

Gebärden ermöglichen es uns lautlos zu kommunizieren. So können wir uns gegenseitig Dinge sagen, die uns in Verlegenheit bringen und die Außenstehende lieber nicht hören sollten

Und solange kannst du mit Hilfe von Gebärden vermeiden, dass dein Kind peinlich berührt ist, wenn du es mit bestimmten Themen laut ansprichst. An der Fleischtheke zum Beispiel, wenn es für die obligatorische Scheibe Wurst vergisst, „Danke“ zu sagen. Dann kannst du es durch ein kurzes Handzeichen dezent daran erinnern. Oder wenn dir im Beisein anderer Menschen ein übelriechender Geruch entgegenkommt. Nicht gerade schön, wenn du dann laut fragst: „Hast du die Windel voll?“. Mit der passenden Gebärde bleibt das Thema unter euch und ihr könnt den Stinker diskret beseitigen (Den Windelinhalt, nicht das Kind).

Es macht Spaß 

Für mich ist das immer noch eins der größten Argumente, warum Kinder Gebärden lernen sollten. Es macht schlicht und ergreifend einen Riesenspaß. Die Kinder freuen sich, wenn sie Dinge und Gedanken benennen können und wir sie verstehen. Wir freuen uns, wenn die Kinder unsere Handzeichen nachahmen und wir sie verstehen. 

Wir können zusammen singen oder Bücher vorlesen und Gebärden begleitend nutzen. Das macht alles gleich viel lebendiger und zu einem intensiven Erlebnis. 

Also ich würde sagen, Gebärden machen glücklich. Das klingt vielleicht übertrieben, aber doch. Wir hatten viiieeele Glücksmomente durch das Gebärden.

Und das sind nur ein paar Beispiele, warum du mit deinen Kindern unbedingt die Gebärdensprache lernen und sie in euren Alltag integrieren solltest. Es gibt noch viele mehr.

Aber allein für die genannten lohnt es sich doch, sich mit dem Thema mal zu befassen, oder?

Wer ein Warum hat, dem ist kein Wie zu schwer.

So hat dieser Beitrag begonnen. Das Warum hast du jetzt. Dann möchtest du jetzt bestimmt noch wissen, WIE deine Kinder Gebärden lernen können, oder?

Das und weitere gute Gründe, warum das Lernen von Gebärden eine großartige Sache ist, erfährst du in meinen nächsten Beiträgen.

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