Kein Interesse an Büchern – Wie du dein Baby oder Kleinkind fürs Vorlesen begeisterst

Hm…bist du dir ganz sicher, dass dein Baby oder Kleinkind kein Interesse an Büchern hat?

Dann wäre dein Kind nämlich eine absolute Ausnahme.

OK, du sagst jetzt vielleicht: „Nee, mein Kind bleibt einfach nie still sitzen, wenn ich mit einem Buch ankomme. Seine Aufmerksamkeitsspanne ist so kurz, dass Vorlesen gar nicht möglich ist. Und ich kenne ganz viele Kinder, bei denen das genau so ist.“

Das glaube ich dir sofort. Und dennoch bedeutet das nicht, dass sie kein Interesse an Büchern haben.

Bist du bereit für eine andere Perspektive?

Kindliches Interesse an Bücher sieht nämlich meistens ganz anders aus, als wir Mamas es uns vorstellen und deshalb glauben wir fälschlicherweise dass sie keine Bücher mögen.

Ohje, jetzt hast du bestimmt ganz viele Fragezeichen in deinem Kopf.

Aber lies einfach weiter! Dann erfährst du, was ich damit meine, wie du das Interesse fürs Vorlesen fördern kannst und wie das Bücher anschauen mit Baby- und Kleinkindgebärden noch mehr Spaß macht.

Los geht’s!

Das erwartet dich in diesem Blogartikel Verbergen

Was bedeutet Vorlesen eigentlich?

Zunächst einmal sollten wir klären, was Vorlesen eigentlich bedeutet. Jeder hat wahrscheinlich eine etwas andere Vorstellung vom Vorlesen! Und im klassischen Sinne ist es tatsächlich: ein Buch in die Hand nehmen und Wort für Wort, Zeile für Zeile und Seite für Seite laut für jemanden zu lesen.

Gemäß der Vorlesestudie von 2019 im Auftrag der Stiftung Lesen, der Deutsche Bahn Stiftung und der Wochenzeitung „Die Zeit“ betrachten ein Fünftel aller Eltern tatsächlich nur diese Form als Vorlesen.

Doch wenn es um die Allerkleinsten, unsere Babys und Kleinkinder, geht, sollten wir den Begriff viel weiter fassen.

Vorlesen bedeutet dann viel weniger, einen Text laut zu lesen. Es bedeutet vor allem: Bilder- und Wimmelbücher anschauen, Geschichten erzählen, eintauchen, Quatsch machen, gemeinsame Zeit und Gespräche mit dem Kind.

Warum du mit deinem Baby Bücher anschauen und vorlesen solltest

Es gibt wirklich viele gute Gründe, warum du deinem Baby oder Kleinkind vorlesen, beziehungsweise mit ihm Bücher anschauen solltest.

Also los geht’s mit den Vorteilen des Vorlesens:

Vorlesen erweitert den Wortschatz und fördert die Sprachentwicklung

Viele Kinder, denen früh vorgelesen wird, fangen auch früher an, zu sprechen.

Studien zeigen sogar, dass Kinder, denen viel vorgelesen wird, mit 2 Jahren oft einen signifikant größeren passiven und aktiven Wortschatz, als gleichaltrige Kinder ohne regelmäßige Vorlesezeiten haben. Insgesamt können sie sich im Vergleich gesehen besser ausdrücken.

Stell dir nur mal vor, du würdest von Geburt an, täglich ein Buch mit deinem Kind anschauen. Anfangs kommst du vielleicht auf 50 Wörter, später sogar auf 500 und mehr. So hört dein Kind bis zum Schuleintritt mehr als eine Millionen Wörter, zusätzlich zu denen, die ihr sowieso im Alltag sprecht. Eine stolze Zahl, oder?

Aus einem Buch am Tag werden Millionen Worte bis zum Schuleintritt

Beim Bücher anschauen richten Vorleser und Kind ihre Aufmerksamkeit auf einen gemeinsamen Fokus. So unterstützen wir die Entwicklung der geteilten Aufmerksamkeit, die eine wichtige Fähigkeit und ein Grundbaustein für das Sprechen ist.

Indem wir in Bilderbüchern auf etwas zeigen und es benennen, stellen die Kleinen eine Verknüpfung zwischen dem Wort und dem, was sie sehen her und bauen so nachhaltig ihren passiven und schließlich auch aktiven Wortschatz auf.

Durch das Vorlesen lernen Kinder Aufbau und Struktur von Sätzen kennen und bekommen durch unterschiedliche Laute und Betonungen ein Gefühl für den Rhythmus und die Melodie der Sprache.

Vorlesen motiviert zum Lesen lernen

Durch frühes, häufiges und facettenreiches Vorlesen, erleben die Kleinen, dass auch ihre Eltern Spaß an Büchern haben und besetzen Lesen mit positiven Gefühlen.

Das erhöht das Interesse am eigenständigen Lesen und erleichtert deinem Kind das spätere Lesen und Schreiben lernen in der Schule. Denn Kinder, denen viel vorgelesen wurde, können Wörter und Sätze beim eigenen Lesen besser entschlüsseln und entwickeln schneller ein Lesesinnverständnis.

Wer gut lesen kann, dem fällt wiederum das Lernen generell leichter.

Vorlesen fördert die Konzentration und das Lernen

Bei der gemeinsamen Lesezeit können Kinder gut zur Ruhe kommen.

Durch das Bilder anschauen, genau zuhören, sich Dinge merken und sich in Figuren hineinversetzen, wird ihre Konzentrationsfähigkeit geschult. Denn wer sich ablenken lässt, verpasst womöglich einen Teil der Geschichte.

Wenn dein Kind durch frühes Vorlesen damit vertraut ist, wird es sich auch später gut in etwas vertiefen und sich konzentrieren können.

Vorlesen macht schlau

Vorlesen und Bücher anschauen mit Babys macht schlau

Beim Vorlesen kann dein Kind unfassbar viel lernen. Und zwar nicht nur neue Wörter und Sprache.

Sie beschäftigen sich so mit den unterschiedlichsten Themen und erwerben spielerisch eine ganze Bandbreite an Wissen:

  • Eigenschaften und Verhalten von Mensch und Tier
  • Der menschliche Körper
  • Bedürfnisse und Gefühle
  • Soziale Interaktion
  • Tägliche Routinen
  • und und und…

Parallelen zu echten Erlebnissen im Alltag steigern die Neugier und Kommunikationsfreude, um NOCH mehr darüber zu erfahren.

Das besondere an Bilderbüchern ist, dass wir Eltern unseren Kindern auch Dinge zeigen und erklären können, die sie im Alltag nicht so leicht und nicht so häufig zu sehen bekommen, wie zum Beispiel die Tiere in Afrika.

Vorlesen unterstützt das Erinnerungsvermögen

Man glaubt es manchmal kaum, was schon die Kleinsten für ein Gedächtnis haben.

Durch wiederholtes Vorlesen kannst du das Erinnerungsvermögen zusätzlich unterstützen. Die Kleinen können Worte und Bilder miteinander in Beziehung setzen und merken sich erstaunlich gut, was als nächstes passiert.

Vorlesen erzeugt Nähe und Geborgenheit

Vorlesen bedeutet, sich in ruhiger, gemütlicher Atmosphäre Zeit füreinander zu nehmen, sich zu entspannen und sich auf die Geschichte und aufeinander einzulassen, zum Beispiel auf der Couch eingekuschelt oder abends im Bett vorm Schlafen.

Feste Vorlesezeiten und -rituale geben Sicherheit und stärken die Bindung zwischen Bezugsperson und Kind.

Die Kleinen genießen den Klang deiner Stimme, die körperliche Nähe und die ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung in vollen Zügen. Das schafft Vertrauen und Geborgenheit.

Es ist einfach schön für Mama und Kind, oder?

Vorlesen stärkt das Selbstbewusstsein

Insbesondere, wenn du Gebrauch vom dialogischen Vorlesen machst, auf das ich später noch zu Sprechen komme, stärkst du damit das Selbstbewusstsein deines Kindes. Es merkt, dass es gehört und ernst genommen.

Vorlesen stärkt das Selbstbewusstsein. 
Kinder fühlen sich gehört und ernst genommen

Vorlesen hilft beim Verarbeiten des Tages

Was ist gerade los bei deinem Baby oder Kleinkind? Bekommt es gerade Zähnchen? Hat es sich vor einem Hund erschrocken, Ist ein Geschwisterchen unterwegs, haben sich die Eltern getrennt oder steht die Eingewöhnung in der Betreuung bevor?

Zu nahezu allen Themen findest du Kinderbücher auf dem Markt. Das gemeinsame Vorlesen mit deiner ungeteilten Aufmerksamkeit bietet eine gute Gelegenheit, um über Erlebnisse, schwierige Situationen, Sorgen, Wünsche und Ängste ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen und zu beantworten.

So können innere Konflikte bewältigt werden.

Vorlesen weckt die Fantasie 

Während du vorliest oder eine Geschichte zu den Bildern erzählst, entsteht je nach Erfahrungsschatz eine innere Vorstellung mit eigenen Bildern davon im Kopf deines Kindes.

Wenn so schon früh die Vorstellungskraft und Fantasie gefördert wird, ist dein Kind auch später besser in der Lage, sich Dinge bildhaft vorzustellen und in eigene Welten einzutauchen.

Übrigens auch eine Fähigkeit, die beim späteren Lesen lernen von Bedeutung ist.

Vorlesen schult wichtige soziale Kompetenzen, wie das Einfühlungsvermögen

Taucht dein Kind in die Geschichten ein, lernt dein Kind, sich in verschiedene Perspektiven hineinzuversetzen. Es erfährt, wie Probleme entstehen und sich lösen lassen.

So kann es im Alltag zunehmend mehr Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen entwickeln und sich sogar Werte und Verhaltensweisen aneignen, um Konflikte im Alltag zu lösen.

Vorlesen macht Spaß

Für mich der allerwichtigste Grund. Ich selbst lese gerne. Genauso liebe ich es, mit den Kindern auf diese Weise in Kontakt zu treten und zu interagieren.

Vorlesen macht Spaß.
Wir können Quatsch machen, lachen und übertreiben

Beim Vorlesen erfahren wir etwas voneinander und tauschen uns aus. Wir machen Quatsch und übertreiben beim Vorlesen und lachen gemeinsam. Ich verändere die Geschichte und die Kinder korrigieren mich empört und stolz darüber, dass sie schlauer sind.

Ach, es gibt so viele Möglichkeiten.

Es macht einfach Spaß.

Ab welchem Alter solltest du deinem Kind vorlesen

Wusstest du, dass nur die Hälfte aller Eltern ihren Babys regelmäßig vorlesen? Das ist das Ergebnis einer Studie der Stiftung Lesen, aus dem Jahr 2017. Der häufigste Grund dafür ist, dass viele Mütter und Väter die emotionale Bedeutung des Vorlese-Rituals unterschätzen. Viele gehen davon aus, dass so kleine Kinder sich noch nicht ausreichend konzentrieren können oder ihnen die nötige Sprachkompetenz fehlt. Doch da unterschätzen wir leicht die Fähigkeiten unserer Kinder.

Bildungsforscher empfehlen das Vorlesen ab einem Alter von 3 Monaten. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass du schon von Geburt an damit beginnen kannst. Der beste Zeitpunkt ist also JETZT.

Natürlich versteht dein ganz kleines Baby zunächst noch nicht wortwörtlich, was du ihm vorliest. Doch es hört deine vertraute und beruhigend wirkende Stimme und macht dabei bereits wichtige Erfahrungen. Auch kontrastreiche Bilder kann es bereits betrachten.

Schon mit ganz kleinen Babys kannst du kontrastreiche Bilderbücher anschauen und so schon früh ihr Interesse für Bücher wecken.

Wenn du selbst gern Bücher liest oder Zeitschriften anschaust, ist die erste Zeit mit Baby bestens geeignet, um deiner Leidenschaft nachzukommen. Dein Kind wird wahrscheinlich viel Zeit auf dir verbringen. Schnapp dir doch ein Buch, eine Zeitschrift oder einen spannenden Blogartikel auf deinem Handy und lies laut. Du schlägst 2 Fliegen mit einer Klappe. Du entspannst dich bei einer geliebten Tätigkeit und dein Baby entspannt sich ebenso, während es die Vibrationen deines Körpers spürt, deiner Stimme lauscht und wahrscheinlich friedlich wegschlummert.

Je älter dein Baby wird, umso schwerer wird es dir wahrscheinlich fallen, seine Aufmerksamkeit und sein Interesse für ein Buch zu wecken.

Dein Baby wird mobiler und möchte seine Umgebung entdecken. Wer hat da schon Zeit und Lust, still sitzen zu bleiben und Bücher anzuschauen?!

Wenn Babys mobiler werden, krabbeln, laufen und die Welt erkunden, bleibt keine Zeit mehr für Bücher

Das bedeutet aber nicht, dass du Vorlesen und Bücher anschauen abschreiben musst. Im Gegenteil. Bleib dran! Ich zeige dir gleich hier im Artikel noch ein paar Möglichkeiten, dein Kind für Bücher zu begeistern.

Wie oft solltest du deinem Kind vorlesen?

Seit 2013 sind die Zahlen aus der Vorlesestudie der Stiftung Lesen zur Vorlese-Häufigkeit von Eltern in Deutschland annähernd gleich. Demnach lesen etwa ein Drittel aller Eltern ihren Kindern nur einmal pro Woche, noch seltener oder sogar nie vor.

Die Autoren der Vorlesestudien der Stiftung Lesen beklagen das. Sie empfehlen ganz klar, eine Vorlesezeit von 15 Minuten täglich, um von den positiven Effekten des Vorlesens zu profitieren.

Aus meiner Sicht ist es ganz leicht machbar, sich 15 Minuten am Tag gemeinsam mit Büchern zu beschäftigen. Erst Recht, wenn du es ritualisierst und ihr zum Beispiel vor dem Schlafen gehen noch eure Nasen in ein Buch steckt. Mit dem dialogischen Lesen, das du gleich noch kennenlernen wirst, vergeht die Zeit dabei wie im Flug.

Und wenn es mal eine Zeit lang, aus welchen Gründen auch immer, nicht klappt, ist das auch kein Beinbruch. Dann nehmt ihr einfach die nächste Gelegenheit wieder wahr.

Was Kinder machen, wenn wir mit ihnen Bücher anschauen wollen

Nun, kleine Kinder verhalten sich ganz unterschiedlich, wenn wir ihnen ein Buch vorlesen wollen:

  • Sie knabbern es an
  • Sie krabbeln weg
  • Sie blättern es kurz auf und dann direkt wieder zu
  • Sie werfen es auf den Boden
  • Sie schlagen es dir aus der Hand
  • Sie zappeln herum und bleiben nicht sitzen
Babys entdecken Bücher zunächst als Objekt. Sie knabbern die an, blättern es auf und zu, werfen es auf den Boden

Sie machen alles Mögliche. Nur sitzen bleiben und dir zuhören, das klappt eher selten.

So hast du dir das wahrscheinlich nicht vorgestellt, oder?

Gleichzeitig ist das alles völlig normal und OK. Denn besonders für die ganz Kleinen hat beim Buchbetrachten der Inhalt des Buches meist noch eine sehr untergeordnete Bedeutung. Viel wichtiger ist erstmal das Fühlen, das Kennenlernen mit der Zunge und dem Mundraum oder der Perspektivwechsel, den sie beim Kontakt mit dem Medium Buch erleben. Die Kinder entdecken zunächst das Buch als Objekt.

Jaaa gut, aber du möchtest doch deinem Kind die Inhalte des Buches nahebringen. Du wissen, wie du es hinbekommst, dass du ihm überhaupt mal was vorlesen, was zeigen und über die Geschichte sprechen darfst, richtig?

Absolut verständlich! Dann kommt jetzt der Teil, auf den du wahrscheinlich schon gewartet hast.

Wie du das Interesse fürs Vorlesen oder Bücher anschauen weckst

Dialogisches Lesen – das ist es, was Kinder brauchen

Der häufigste Fehler, den Eltern machen und der dazu führt, dass sie denken ihr Kind hat kein Interesse an Bücher, ist dass sie starr am Text kleben. Es wird also einfach Wort für Wort vorgelesen und erwartet, dass das Kind aufmerksam lauscht.

Damit das passiert, also damit die Kleinen aufmerksam zuhören, brauchen die sie etwas anderes: das sogenannte dialogische Lesen!

Der Schlüssel, um echtes Interesse für Bücher zu wecken, ist: Geschichten und einen echten Austausch entstehen zu lassen.

Dialogisches Lesen bedeutet:

  • zeigen und betrachten
  • Gesehenes und Gehörtes benennen und beschreiben
  • Unbekannte Begriffe kindgerecht erklären
  • offene (Wer, Was, Wo, Wie) und ergänzende Fragen stellen
  • Auf kindliche Aussagen, Laute, Gestik, Mimik reagieren, indem du (korrektiv*) wiederholst und ergänzt
  • Abwarten und Pausen machen, um dem Kind Raum für eigene Äußerungen zu geben
  • Geschichten in eigenen Worten zu erzählen.
Dialogisches Lesen bedeutet miteinander zu interagieren: zeigen und betrachten
Gesehenes und Gehörtes benennen und beschreiben
Unbekannte Begriffe kindgerecht erklären
offene (Wer, Was, Wo, Wie) und ergänzende Fragen stellen
Auf kindliche Aussagen Aussagen, Laute, Gestik, Mimik reagieren, indem du (korrektiv*) wiederholst und ergänzt
Abwarten und Pausen machen, um dem Kind Raum für eigene Äußerungen zu geben
Geschichten in eigenen Worten zu erzählen.

Der Fokus liegt also nicht darauf, dass ein Erwachsener spricht und das Kind zuhört, sondern auf der Interaktion miteinander. Hier haben vor allem die Kinder etwas zu sagen. Die Erwachsenen sind nicht nur Impulsgeber und Gesprächspartner, sondern ebenso aufmerksamer und aktiver Zuhörer. Das Buch und dessen Inhalte dienen dabei lediglich als Aufhänger für das Gespräch, beziehungsweise die Interaktion.

*korrektive Wiederholung bedeutet: Das Gesagte oder Gezeigte in eigenen Worten und/oder Gebärden nochmal zu wiederholen. Zum Beispiel: Dein Kind sagte „Atte“ und greift sich dabei ans Ohr. Dann sagst du: „Oh ja, stimmt, da ist eine KATZE. Die macht immer Miau miau“ und führst dabei die korrekte Gebärde für Katze aus. Zu den Gebärden beim Vorlesen kommen wir gleich noch.

Stelle Rückfragen zum Buch

Es kann übrigens passieren, dass dein Kind zappelt und turnt. Deshalb glaubst du, dass es kein Interesse am Vorlesen hat und trotzdem hat es dir ganz genau zugehört.

Kinder bewegen sich, um Stress abzubauen. Auf diese Weise regulieren sie die Freude und Aufregung, die beim Vorlesen entstehen kann.

Ob das auf dein Kind zutrifft und es doch aufgepasst hat, kannst du herausfinden, indem du Rückfragen stellst, die es bereits mit Gebärden oder Worten beantworten kann: „Was hat Otto auf der Baustelle entdeckt?“ – Den BAGGER.

Wenn du immer wieder Rückfragen zum Buch stellst, gewöhnt sich dein Kind daran und wird zunehmend aufmerksamer zuhören, um deine Fragen auch beantworten zu können.

Sei ein Vorbild – Kinder interessieren sich für das, was ihre Eltern tun

Hand aufs Herz! Wie oft sieht dein Kind dich in einem Buch blättern? Völlig verständlich, wenn du jetzt sagst: „Ääähm…*hust*…ja, gar nicht. Wann soll ich denn in Anwesenheit meines Kindes bitte lesen?“

Naja, es ist aber so, dass die Kleinen ganz besonders interessiert sind, an Dingen, die sie bei uns sehen. Sie wollen nachmachen, was wir auch tun. Kennst du sicher, oder? Und so ist es auch bei Büchern. Wenn dein Kind dich lesen sieht, wird es neugierig werden.

Und ganz ehrlich! Das schaffst du auch im Mama-Alltag. Also neue Challenge für dich: Schnapp dir ein interessantes Buch, das du schon ewig mal lesen wolltest. Setz dich damit auf den Boden zu deinem Kind, wenn es gerade satt und zufrieden ist und fang an zu lesen. Jeden Tag ein Kapitel oder 15 Minuten. Und das so lange, bis das Buch zu Ende ist. Wenn du das durchziehst, wird es zur Routine und bestimmt hast du dann Lust, gleich das nächste Buch anzufangen.

Dein Kind muss nämlich nicht permanent von dir bespaßt werden. Dein Kind braucht aber die Gewissheit, dass du in der Nähe bist. Wenn du mit einem Buch am Boden, direkt neben deinem Baby sitzt, kannst du ihm genau diese Sicherheit geben. Dein Kind wird dich mit deinem Buch schnell langweilig finden und es kann sich mit der Gewissheit, dass du da bist und da bleibst alleine beschäftigen und in sein Spiel vertiefen.

Du kannst übrigens auch laut lesen. Egal, welchen Inhalt das Buch hat. Dein Kind hört deine Stimme. Es kann beruhigt spielen, weil es weiß, du bist da. Gleichzeitig badet es auf diese Weise in Sprache.

Auch wenn es die meisten Worte noch nicht kennt, lernt es so ganz viel über deine Sprechmelodie, über den Sprachrhythmus. Das hilft ihm langfristig, dich besser zu verstehen und schließlich selbst Worte und Sätze zu bilden und wiederzugeben.

Sei ein Vorbild! Wenn dein Kind dich regelmäßig lesen sieht, weckt das sein Interesse an Büchern. Liest du direkt neben ihm, kann es mit der Gewissheit, dass du in der Nähe bist, zufrieden neben dir spielen.

Übrigens: Wenn du wissen möchtest, wie du die perfekte Spielumgebung für dein Kind schaffst schau gern mal bei meiner Kollegin Iris Mayr von Spielversprechend.com vorbei. Bei ihr lernst du, wie du es schaffst, dass dein Kind zufrieden spielt und du trotzdem in Ruhe deinen Haushalt schaffst oder einfach mal Zeit für dich findest und lesen kannst.

Suche Bücher nach den Interessen deines Kindes aus

Flippt dein Kind aus, wenn es Baustellen-Fahrzeuge sieht? Dann besorge Bücher, in denen Bagger, Kran und Co. vorkommen.

Zeigt es ständig aufgeregt auf Tiere, wenn ihr welche seht, suche nach Büchern, in denen die Lieblingstiere drin sind. In den meisten Kinderbüchern sind sowieso Tiere drin. Das liegt einfach daran, dass Kinder auf Tiere stehen.

Kinder stehen auf Tiere.
So lässt sich das Interesse für Bücher wecken

Greife ruhig auch zu Büchern, die etwas aus dem Alltag des Kindes widerspiegeln. Bücher, in denen ein Kind schläft oder isst, sich die Zähne, spielt. Dein Kind kann sich damit identifizieren und du kannst wunderbar eine Brücke schlagen zwischen den Erlebnissen deines Kindes und den Inhalten aus dem Buch.

Auch die Art der Bücher ist altersabhängig. Besonders kleine Kinder begeisterst du mit Klappen, Laschen, Fühl- und Hörelementen, so dass dein Kind das Buch so richtig erleben und begreifen kann. Später werden auch interaktive Bücher und Bücher mit mehr Text interessant.

Untermale das Gesehene oder Gelesene mit Geräuschen – so wird es lebendig

Das geht bei den meisten Kinderbüchern gut. Da sind die Tiere, die Geräusche machen oder die Fahrzeuge.

Auch verschiedene Tätigkeiten sind mit Geräuschen verknüpft. Der schlafende Löwe könnte schnarchen oder sanft säuseln oder der Wind pfeift durch die Blätter oder beim Essen wird geschmatzt oder das Ei fällt *platsch* auf den Boden.

Untermale das Vorlesen mit Geräuschen! Lass zum Beispiel einen Löwen laut brüllen, um das Interesse deines Kindes zu wecken

Die Geräusche machen es für dein Kind extrem spannend, denn sie unterscheiden sich von der alltäglichen Sprache und lassen dein Kind hellhörig werden: „Huch! Was war das?“

Hol dir Unterstützung beim Vorlesen in Form von Kuscheltieren, Spielfiguren oder einer Handpuppe

Wenn du eine Handpuppe oder ein Kuscheltier in die Rolle des Vorlesers schlüpfen lässt und dabei vielleicht noch die Stimme verstellst, zieht das sofort die Aufmerksamkeit deines Kindes auf sich.

Das liegt daran, dass diese Situation nicht ganz alltäglich ist und deshalb besonders neugierig macht.

Deine Begleitung kann auch in die Rolle einer Figur aus dem Buch schlüpfen und die Inhalte dadurch real werden lassen.

In der Buchreihe vom Hasenkind zum Beispiel werden die Kinder dazu aufgefordert, mit dem Hasen im Buch zu interagieren. Hasenkind soll zum Beispiel gestreichelt werden, oder trockengerubbelt oder -gepustet. Es bekommt einen Gute-Nacht-Kuss und vieles mehr.

All diese Dinge könnt ihr parallel auch mit einem Kuschelhasen machen und so nochmal mehr Spiel und Spannung in die Vorleserunde bringen.

Wenn du mehr über die Hasenkind-Bücher und dazu passende Gebärden erfahren möchtest, klicke einfach hier!

Kuscheltiere oder Handpuppen können auch wunderbar genutzt werden, um dein Kind zu spiegeln und es so zu leiten.

Dann hat der Teddy zum Beispiel kein Interesse für die Bücher, findet sie blöd, wirft sie, klappt sie zu. Doch du sprichst mit ihm und überzeugst ihn, doch mal genauer hinzuschauen. Da entdeckt er vielleicht einen Topf Honig im Buch und beginnt es begeistert abzuschlecken. Das gefällt ihm so gut, dass er gleich weiter gucken und noch mehr Bücher anschauen möchte.

Du verstehst, was ich meine, oder? Mach es spannend!

Kein Interesse an Bücher? Versuche es mal mit einer Zeitung oder einer Zeitschrift

Zeitungen knistern so schön und man kann sie zerreißen.

Das spricht natürlich den kleinen Entdecker in deinem Kind an und macht total Spaß.

Also such mal eine Zeitung oder Zeitschrift mit interessanten Bildern raus, die dein Kind nach Herzenslust bearbeiten darf, und dann geht’s los. Zerreißt ruhig beide zusammen die Zeitung. Bestimmt bleibt dein Kind dann doch mal bei einem Bild hängen und du kannst ihm etwas darüber erzählen.

Oder du initiierst es. Also reiße mal gezielt ein Bild oder einen kurzen Textabschnitt raus und lies ihn vor oder sprich darüber: „Schau mal, was ich gefunden habe! Da ist ja ein HUND“.

Zeitungen können auch vorgelesen werden. Dein Kind kann eine Zeitung nach herzenslust entdecken, zerreißen, zerknüllen und dann bleibt doch mal der Blick an einem Bild oder Textabschnitt hängen und es entsteht ein Gespräch darüber

So wird Vorlesen bzw. Anschauen spaßig und interessant und die Freude kann sich schließlich auch auf Bücher übertragen.

Gestalte ein Fotobuch – reale und bekannte Dinge und Personen sind besonders interessant

Ein Buch mit realen Menschen und Dingen, die dein Kind auch noch aus seinem Alltag kennt, wirkt nochmal ganz anders, als illustrierte Bilderbücher. Stell dir vor, wie groß die Freude sein wird, wenn dein Kind beim Blättern den geliebten Opa oder seinen Teddy entdeckt! Und du kannst dazu einfach etwas erzählen und mit deinem Kind interagieren.

Probiere verschiedene Tageszeiten zum Vorlesen aus

Klar, dein Kind ist nicht immer gleich gut drauf. Der falsche Zeitpunkt kann ein guter Grund dafür sein, dass dein Kind kein Interesse an Büchern zeigt.

Deswegen versteif dich nicht darauf, deinem Kind zum Beispiel vorm Schlafen noch ein Buch vorzulesen. Vielleicht ist es da schon zu müde oder überreizt von den Erlebnissen des Tages.

Probiere einfach mal verschiedene Zeiten. Vielleicht morgens, direkt nach dem Aufwachen, wenn dein Kind ausgeschlafen und zufrieden ist. Oder direkt nach einer Mahlzeit. Oder mal zwischendurch als Teil eurer Spielzeit.

Viele Kinder bevorzugen aber feste Vorlesezeiten. Denn Kinder lieben Rituale und brauchen Struktur. So können sie sich darauf einstellen, dass zu einer bestimmten Zeit am Tag Geschichtenkuschelzeit ist. Wenn du also eine günstige Zeit gefunden hast, plane dir ein, sie regelmäßig zum Vorlesen mit deinem Kind zu nutzen.

Der falsche Ort – ein möglicher Grund für fehlendes Interesse an Büchern

Auch den Ort, an dem du Bücher anbietest, kannst du variieren.

Möglicherweise gibt es zu viel Ablenkung und dein Kind kann deshalb gerade kein Interesse an Büchern entwickeln. Vielleicht findet es gerade alles andere spannender, als mit dir ein Buch anzuschauen. Kannst du einen Ort finden, an dem es ruhiger ist und weniger Ablenkung gibt?

Vielleicht klappt es auf dem Fußboden besser, als auf deinem Schoß. Vielleicht im Bett. Vielleicht in der Badewanne mit einem Badebuch. Vielleicht im Kinderwagen oder draußen im Garten. Toll ist auch eine gemeinsame Kissenburg oder eine Höhle. Einfach mal verschiedene Orte testen. Versuch macht kluch.

Die richtige Sitz- oder Liegeposition hat auch Einfluss auf das Interesse am Vorlesen

Auch da gibt es verschiedenste Möglichkeiten, die du ausprobieren kannst:

  • Auf deinem Schoß sitzend
  • Auf dem Schoß einer anderen Person sitzend
  • Gegenüber auf dem Boden sitzend
  • Gegenüber im Stuhl sitzend
  • Nebeneinander auf dem Bauch liegend
  • Gegenüber auf dem Bauch liegend
  • Nebeneinander auf dem Rücken liegend
  • An einem kleinen Tisch stehend
  • Wenn du mit leicht angewinkeltem Oberkörper und angewinkelten Beinen auf dem Rücken liegst. Dein Kind sitzt auf deinem Becken, dir zu- oder abgewandt. Deine Beine fungieren als Lehne für dein Kind oder als Buchablage.
Probiere verschiedene Sitz- und Liegepositionen aus, um das Vorlesen interessanter und abwechslungsreich zu gestalten

OK, die sind natürlich nicht alle gleich gut geeignet, wenn du Baby- und Kleinkindgebärden beim Vorlesen zeigen möchtest, aber dazu später noch mehr.

Auf jeden Fall lohnt es sich, auch da zu variieren und zu testen, was deinem Kind besser gefällt.

Stelle eine Auswahl an Büchern für dein Kind zugänglich bereit

Ganz bestimmt wird es immer mal wieder damit interagieren. Das ist dein Moment, um dabei zu sein und ihm etwas dazu zu erzählen oder zu zeigen.

Lass dein Kind ein Buch auswählen – So kann es zeigen, was es interessiert

Möglicherweise hat dein Kind gar kein großes Interesse an Büchern mit Tieren, sondern mag lieber Baustellen-Fahrzeuge.

Frag es! Biete ihm eine Auswahl-Möglichkeit an! Dadurch schaffst du direkt eine Gelegenheit, um miteinander in den Dialog zu treten: „Möchtest du das Buch mit dem HASEN oder das mit dem BAGGER?“

Lass es auch selbst entscheiden, ob es überhaupt ein Buch anschauen möchte. Wie du mit der oben beschriebenen Kuscheltier-Methode dein Kind zum Vorlesen einladen kannst, kannst du dir hier auf meiner Facebook-Seite anschauen!

Je mehr ein Kind selbst bestimmen darf, umso besser kann es kooperieren und mit Freude dabei sein.

Ich weiß, es ist manchmal nicht leicht, wenn wir zum tausendsten Mal die Raupe Nimmersatt vorlesen sollen. Aber sei dir gewiss: Für dein Kind ist das unglaublich wertvoll. Es dringt in die Geschichte ein. Es versteht sie und die Sprache und Gesten, die du dabei benutzt, jedes Mal ein bisschen besser. Es entdeckt immer wieder neue Details und es erinnert sich zunehmend daran.

Leuchtende Kinderaugen sind dir gewiss, wenn es irgendwann genau sagen oder zeigen kann, was als nächstes kommt.

Worauf du beim Anschauen von Büchern achten solltest

Geduld Geduld Geduld

Ja, die Kleinen haben ihren eigenen Kopf. Die Art und Weise, wie sie sich mit Büchern befassen, weicht meist von dem ab, was wir uns unter Bücher anschauen oder gar Vorlesen vorstellen. Darüber haben wir ja schon gesprochen.

Lass dich darauf ein! Lass dich von deinem Kind leiten und greife auf, was dein Kind macht.

Die Kleinen werden größer und es wird die Zeit kommen, wo du deinem Kind so richtig nach deinen Vorstellungen vorlesen darfst. Hab Geduld! Das kommt schon noch.

Bis dahin darf dein Kind bestimmen, wie die gemeinsame Zeit mit Büchern aussehen soll. Abgemacht?

Kein Druck bitte! – Mit Druck entsteht bestimmt kein Interesse an Büchern

Ist dein Kind gerade zu unruhig und möchte sich so gar nicht mit Büchern befassen, erzwinge es nicht. Dein Kind sollte Geschichten und Vorlesen als etwas Positives wahrnehmen. So wird dein Kind wahrscheinlich auch später gern zum Buch greifen.

Wie du Gebärden beim Vorlesen verwendest

Baby- und Kleinkindgebärden sind eine wunderbare Ergänzung zum Vorlesen und Anschauen von Büchern.

Das ein Kind kein Interesse an Büchern zeigt, kann so eigentlich kaum noch vorkommen :-).

Vorlesen und Baby- und Kleinkindgebärdenn gehen eine perfekte Symbiose ein.
Es gibt zahlreiche Gebärden rund um die Inhalte der Bücher, aber auch Gebärden, die allgemein rund um das Vorlesen mit Kindern eingesetzt werden können

Durch Gebärden werden die Inhalte gleich viel lebendiger und das Lesen macht noch mehr Spaß.

Schon Babys, die noch lange nicht sprechen können, haben so die Möglichkeit, sich aktiv am Gespräch über das Buch zu beteiligen.

Ach, du weißt noch gar nicht, was es mit den Baby- und Kleinkindgebärden auf sich hat? Dann schau dir gern meinen Blogartikel „Was sind Baby- und Kleinkindgebärden?“ an!

Mit Hilfe der Baby- und Kleinkindgebärden kann dein Kind gut mitentscheiden, welches Buch es sich anschauen möchte: „Das mit dem TEDDY oder das mit der ENTE“?

Außerdem kann es dir mit den Gebärden zeigen, welches Element aus dem Buch ihm gerade wichtig ist oder worüber es sich weiter austauschen möchte.

Welche Gebärden beim Bücher vorlesen geeignet sind

Natürlich kannst du immer Gebärden für die im Buch abgebildeten Gegenstände, Personen und Tätigkeiten verwenden. Die kann ich hier natürlich unmöglich alle aufzählen ;-). Das wären zu viele.

Gleichzeitig gibt es verschiedene Gebärden, die rund um die Tätigkeit Vorlesen geeignet sind und das dialogische Lesen unterstützen.

Die Gebärde für WO, WAS oder WEG

Wie wir bereits besprochen haben, ist Fragen stellen ein wichtiges Element, um miteinander zu den Buchinhalten in den Dialog zu kommen. Bei den ganz Kleinen geht das Frage-Wort „Wo“ allen voran. Spätestens, wenn dein Kind die ersten Zeigegesten macht, wird es bestimmt begeistert auf die Stellen im Buch zeigen, wenn du fragst: „WO ist die Kuh?“

Gebärde für weg, wo alle, was

Da die Gebärden für WO, WAS und WEG annähernd gleich und noch dazu sehr einfach sind, können sie immer wieder zum Einsatz kommen und dementsprechend schnell verstanden und selbst von deinem Kind gezeigt werden. So können wunderbare Gespräche entstehen. „WO ist die Kuh?“ „Oh! Die Kuh ist WEG. WAS macht die Kuh wohl gerade? Sollen wir mal nachsehen? Aaah, die Kuh ist auf der Wiese und frisst. WAS frisst sie denn?“

Die Gebärde für FERTIG, ENDE oder ZU

Gerade im Baby-Alter werden Bücher als Objekt gesehen, das erstmal entdeckt werden muss. Neben Anknabbern und Herumschmeißen werden Bücher auch mit Vorliebe einfach nur durchgeblättert oder mit Schwung zugeklappt. Wunderbar! Greife genau das verbal und mit Gebärden auf, denn genau das ist es, was dein Kind gerade fasziniert. Die Gebärden finden so direkt Babys Aufmerksamkeit und Interesse.

ENDE und FERTIG sind die gleichen Gebärden. Du kannst also einfach das Wort benutzen, das sich für dich am natürlichsten anfühlt.

Gebärde für Fertig, Ende, Schluss

Ein Dialog könnte dann so aussehen: „ENDE! Jetzt ist das Buch ZU.“ (Bei der Gebärde für ZU klappst du übrigens beide Hände zusammen, so wie ein Buch zuklappt.

Die Gebärde für Nochmal

Kinder lieben Wiederholungen. Und Wiederholungen sind gerade bei Büchern unglaublich wertvoll.

Mit jedem Vorlesen ein und desselben Buches festigt sich deren Inhalt im Gehirn deines Kindes. Und jedes Mal lassen sich neue Details entdecken und verinnerlichen.

Deswegen, auch wenn dir ein Buch schon zum Hals raushängt, lies es ruhig immer und immer wieder vor.

Wenn du genug Sitzfleisch hast, kann das auch durchaus direkt nacheinander sein. Dann kannst du dein Kind am Ende eines Buches, nachdem du „Zu ENDE“ gesagt hast, fragen: „NOCHMAL?“. Wenn du einen kurzen Moment abwartest und achtsam bist, wirst du bestimmt eine Regung bei deinem Kind beobachten und erkennen, ob es nochmal möchte oder nicht. Bestätige dann, was du wahrgenommen hast: „OK, du möchtest NOCHMAL? Gut, dann lesen wir es NOCH EINMAL“. Irgendwann wird dein Kind dir mit der Gebärde selbst aktiv sagen, dass es das Buch nochmal anschauen möchte.

Gebärde für Nochmal

Übrigens, wenn du ein Buch dialogisch vorliest, kann es eigentlich gar nicht langweilig werden, denn dann ist es auch für dich jedesmal eine neue Erfahrung.

Wie schaffe ich es, dass mein Kind meine Gebärden beim Vorlesen auch sieht?

Viele Eltern sagen mir: „Mein Kind sitzt beim Vorlesen auf meinem Schoß. Da sieht es ja die Gebärden nicht.“

Hattest du den Gedanken auch schonmal?

Das ist gar nicht so schwierig, wie es klingt. So geht’s!

Die geeignete Vorleseposition

Eine Möglichkeit, das „Problem“ zu lösen, ist eine andere Position beim Vorlesen einzunehmen. Ein paar Mögichkeiten habe ich dir weiter oben schon genannt.

Positionen in denen du ganz normal vor deinem Körper die Gebärden zeigen kannst und dein Baby sie sehen kann, sind folgende:

  • Wenn dein Baby auf dem Schoß einer anderen Person sitzt
  • Wenn ihr gegenüber auf dem Boden oder im Stuhl sitzt
  • Wenn dein Kind an einem kleinen Tisch steht
  • Wenn du mit leicht angewinkeltem Oberkörper und angewinkelten Beinen auf dem Rücken liegst und dein Kind dir zugewandt auf deinem Becken sitzt

Die geeignete Art, um die Gebärden zu zeigen

Solltest du eine andere Position einnehmen und dein Kind nicht frontal vor dir sitzen, musst du aber nicht auf die Gebärden verzichten.

Wenn dein Kind auf deinem Schoß sitzt, kannst du einfach deine Arme etwas länger machen, so dass die Gebärde vor dem Körper deines Kindes zu sehen ist. Das Schöne daran ist, dass dein Kind die Gebärde nicht spiegelverkehrt, sondern genau so wahrnehmen kann, wie es sie selbst zeigen würde.

Eine weitere Möglichkeit ist, am Kind oder am Buch zu gebärden. Du kannst zum Beispiel für KUH deine Hände an den Kopf deines Kindes legen, um die Hörner anzudeuten oder du krabbelst für KÄFER mit deiner Hand am Arm deines Kindes entlang. Der KÄFER kann genauso gut auch über das Buch krabbeln oder du gehst mit deiner Hand unter dem Buch hindurch und lässt oben dann mit deinen Fingern die Hasenohren für HASE zum Vorschein kommen. Da darfst du gern ein bisschen kreativ werden.

Eine weitere Herausforderung, mit der viele Eltern sich konfrontiert sehen, ist dass sie nur eine Hand beim Vorlesen frei haben, weil die andere das Buch festhält oder das Kind stützt. Kein Problem! Dann darfst du einfach die Gebärde einhändig zeigen.

Und solltest du mal gar keine Hand frei haben, dann nutzt du einfach die nächste Gelegenheit und versuchst dann vielleicht mal eine geeignetere Position zum Vorlesen aus.

Die Auswahl der geeigneten Bücher für dein Baby

Es gibt sooo viele Bücher für die Kleinen. Das kann so manche Eltern schonmal überfordern.

Möglicherweise zeigt dein Kind noch kein Interesse an Büchern, weil du das passende Buch noch nicht gefunden hast.

Die Auswahl aus der riesigen Anzahl an Babybüchern auf dem Markt kann Eltern überfordern

Wenn wir Vorlesen nicht „Wort für Wort laut lesen“, sondern tatsächlich als dialogisches Vorlesen begreifen, dann ist es eigentlich völlig egal, was ihr zur Hand nehmt. Dann sind prinzipiell alle Bücher mit Bildern geeignet, auch Fotoalben, Bildkalender oder beispielsweise ein Tieratlas.

Somit kannst du dir aus der Kategorie Kinderbücher ganz frei etwas aus von den vielen Bilder-, Papp-, Stoff-, Gummi-, Holz- oder Pixibüchern aussuchen und loslegen. Hauptsache es ist etwas, das dein Kind und letztlich auch dich interessiert, denn so richtig schön und wertvoll wird es dann, wenn ihr BEIDE Freude daran habt.

Aber ich will dich damit jetzt nicht im Regen stehen lassen und habe noch ein paar Tipps mitgebracht, die dich dabei unterstützen, die richtigen Bücher für dein Kind auszuwählen.

Beziehe dein Vorhaben, Baby- und Kleinkindgebärden zu verwenden, mit ein

Wenn du Baby- und Kleinkindgebärden mit deinem Kind verwendest oder verwenden möchtest (und das empfehle ich dir sehr :-)), lohnt es sich, diesen Aspekt gezielt in deine Auswahl mit einzubeziehen.

Ich empfehle ja immer, mit maximal 5-6 Gebärden zu starten und erst dann neue hinzuzunehmen, wenn du diese routiniert und konsequent im Alltag nutzt. Also halte doch mal gezielt nach Büchern Ausschau, bei denen eine oder mehrere der Gebärden, an denen du gerade dran bist, zum Einsatz kommen können. So schlägst du 2 Fliegen mit einer Klappe. Du festigst deinen Umgang mit der Gebärde. Dein Kind erlebt weitere Referenzerfahrungen mit der Gebärde und kann sie und ihre Bedeutung weiter verinnerlichen.

Die Altersempfehlung als erste Orientierung

Oft findest du bei Kinderbüchern, im Handel, im Online-Shop oder auf dem Buch-Cover oder der Rückseite des Buches eine Altersempfehlung.

Diese Angabe kannst du schonmal als erste Orientierung heranziehen.

Mit erster Orientierung meine ich aber nicht, dass du dich daran klammern solltest. Denn du solltest vor allem folgendes tun!

Den Entwicklungsstand des Kindes einbeziehen

Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell und zeigen abhängig von ihrem Geschlecht, Temperament, Umfeld und Entwicklungsstand unterschiedliche Interessen.

Sowohl Bücher, die für dein Kind noch zu komplex sind und es überfordern, als auch solche, die zu einfach sind und es unterfordern können dein Kind frustrieren und kontraproduktiv sein.

Deshalb achte darauf, dass ein Buch dein Kind dort abholt, wo es gerade steht. Beziehe seine persönlichen Interessen und seinen Entwicklungsstand in deine Bücherauswahl mit ein! Das kann manchmal auch bedeuten, von den angegebenen Altersempfehlungen der Verlage abzuweichen.

Beziehe den Entwicklungsstand und die Interessen deines Kindes in die Auswahl der Bücher mit ein.
Greife seine Interessen auf

Hier ist dein Bauchgefühl und deine Beobachtungsgabe gefragt. Fokussiere dich vor allem auf die Interessen deines Kindes und wähle dazu passende Bücher aus. Da kann dann ruhig auch mal ein Buch für etwas ältere Kinder dabei sein. Du wirst im Kontakt mit deinem Kind merken, ob es damit schon was anfangen kann oder du es lieber nochmal für ein paar Wochen oder Monate zur Seite legst.

Buchtipps für die Kleinsten

Zugegebenermaßen fällt es mir ganz schön schwer, ein paar konkrete Bücher zu empfehlen. Es gibt einfach wahnsinnig viele tolle Exemplare unter ihnen, so dass ich mich gar nicht festlegen mag.

Eine kleine Auswahl habe ich dir schonmal in meinem Blogartikel Vorlesen mit Baby- und Kleinkindgebärden – Drei zauberhafte Bilderbücher vorgestellt.

An dieser Stelle ergänze ich nun noch 3 weitere, die mir während der Baby- und Kleinkindzeit mit meinen beiden Mädels besonders gefallen haben.

Und weißt du was? Wie wäre es denn, wenn du einfach unten in den Kommentaren ein Buch nennst, das dir und deinem Kind super gefällt. So haben wir bald eine große Sammlung an Buchtipps. Und ich zeige dazu gern an anderer Stelle, mal die passenden Gebärden. Deal?

Mach mit! Schick mir deinen Buchtipp! So haben wir bald eine große Sammlung an wunderbaren Büchern für Babys

Otto geht spazieren*

Dieses süße Buch von Anna-Kristina Mohos und Birgit Butz aus dem Kindergebärden-Verlag stammt gleich aus einer ganzen Reihe von Otto-Büchern.

In diesem Buch geht es um einen kleinen Jungen, Otto, der mit Papa spazieren geht. Dabei erlebt er viele kleine Abenteuer, die dein Kind bestimmt aus seinem eigenen Leben bereits kennt.

Er beobachtet einen großen Bagger auf der Baustelle. Er entdeckt einen Hund, Schmetterlinge und Blumen im Park. Bei einem Picknick auf der Wiese krabbelt ihm ein Käfer über den Arm. Und schließlich beginnt es zu regnen, und während Papa und Otto nach Hause laufen, sitzt die Katze, die ihnen am Anfang des Buches begegnet ist, schon am Fenster im warmen und trockenen Haus.

Das besondere an dem Buch, neben liebevoll und realitätsnah gestalteten Illustrationen mit einigen Details zum Entdecken und Erzählen, sind die Gebärden-Illustrationen. Auf jeder Seite sind 3 Gebärden abgebildet, mit denen du das Vorlesen und die Gespräche über Ottos Geschichte begleiten kannst. Die Texte enthalten kleine lautmalerische Elemente, wie: „Miau miau“, „Wauwau“ oder Ottos Kichern: „hihi“. Damit wird das Lesen gleich viel spannender und sie laden kleine Kinder ein, selbst mitzuerzählen.

Meine Kleine hat dieses Buch geliebt und begeistert dazu gebärdet.

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Weiter Bücher aus der Reihe sind:

Pusten, Trösten, Pflaster drauf*

Dieses Buch von Ravensburger, geschrieben von Bernd Penners und illustriert von Henning Löhlein lädt zum Mitmachen ein.

Es enthält 5 wiederverwendbare Pflaster, die dein Kind immer wieder kleben und ablösen kann.

Wie die Pflaster schon verraten, geht es in diesem Buch um Auas. Der Hund ist umgeknickt und jetzt tut seine Pfote weh. Das Affenkind schwang mit dem Kopf gegen einen Baum und hat jetzt eine dicke Beule. Das Schaf zog sich am stacheligen Dornenstrauch einen Kratzer am Bauch zu. Der Elefant trat sich den Rüssel platt, als er sich vor einer Maus erschrak. Und der Bär hat nicht aufgepasst und sich auf einen spitzen Ast gesetzt. Aua! Da ist ein Pflaster genau das richtige und so wird dein Kind auf jeder Seite erneut aufgefordert: „Schnell pusten, trösten, Pflaster drauf!“

So werden die Tiere schnell gesund und stellen wieder Unsinn an.

Dieses Buch ist schön, weil es viele bekannte Tiere enthält. Und Kinder lieben ja bekanntlich Tiere.

Die Texte sind in Reimform, was dem Vorlesen einen gewissen Rhythmus gibt und dies wiederum für die Kleinen hilfreich ist, um Sprache zu erfassen. Größere Kinder können durch die Reimform ermuntert werden, selbst einzelne Worte zu ergänzen.

Auch die immer wiederkehrende Aufforderung: „Schnell pusten, trösten, Pflaster drauf“ prägen sich Kinder schnell ein und können es kaum abwarten, das Aua zu pusten, das Tier zu streicheln und schließlich eins der bunten Pflaster drauf zu kleben. Letzteres fördert außerdem die Feinmotorik. Für kleine Kinderhände ist es gar nicht so leicht, mit dem Pflaster das Aua zu treffen.

Größere Kinder können mit den bunten Pflastern sogar noch die Farben lernen und die Pflaster zum richtigen Tier zuordnen.

Pusten, trösten, Pflaster drauf!
Ravensburger 
geschrieben von Bernd Penners und illustriert von Henning Löhlein

Pusten, trösten, Pflaster drauf und Baby- und Kleinkindgebärden

Viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder ihnen mitteilen können, wenn sie Schmerzen haben. Um ihnen Worte oder Gebärden dafür zu geben, braucht es Referenzerfahrungen, in denen sie das Wort oder die Gebärde mit der Bedeutung „etwas tut weh, jemand hat sich weh getan“ verknüpfen können.

Mit einem Buch, wie „Pusten, trösten, Pflaster drauf“ können wir solche Referenzerfahrungen schaffen. Die Kinder sehen und hören, wie die Tiere sich verletzen. Im Gespräch kannst du das mit eigenen Erfahrungen veknüpfen und erzählen, wie das war, als dein Kind sich zuletzt weh getan hat und dies mit der Gebärde für Aua verknüpfen und schließlich folgt die Handlung „Pusten, Trösten, Pflaster drauf“, die dein Kind vielleicht schon aus seinem Alltag kennt und nun wieder mit den passenden Worten und der Gebärde Aua verknüpft wird.

Alle müssen Gähnen*

„Alle müssen Gähnen“ ist aus dem Verlag ArsEdition und wurde von Maria Höck aus dem Englischen übersetzt und von Anita Bijsterbosch illustriert.

Dieses Buch ist besonders als Abendlektüre geeignet, denn es macht wirklich seeehr müüüde. Nicht, weil es so langweilig ist, sondern weil an allen Ecken und Enden gegähnt wird und das furchtbar ansteckend ist.

Auf jeder Seite ist ein Tier zusammen mit einem Vierzeiler abgebildet. „Als erstes gähnt die kleine Katze und zieht dabei ’ne Riesenfratze“. Wenn man jetzt die Klappe anhebt, so dass sich der Mund der kleinen Katze öffnet, „kann man alle Zähnchen sehen. Ist es schon Zeit, ins Bett zu gehen?“. So zieht es sich durch das Buch und es beginnt mit Katze, Schlange, Waschbär, Häschen, Schwein, Krokodil, Nilpferd, Eisfuchs, Schildkröte und Kind eine riesengroße Gähnerei. Uuuaaaah…*gähn*. Am Ende schlafen schließlich alle friedlich ein.

Auch dieses Buch profitiert wieder von der Reimform. Es werden außerdem viele Fragen gestellt: „Sieht das nicht richtig lustig aus?“, „Wer ist wohl als nächster dran?“, „Ist es schon Zeit ins Bett zu gehen?“ So kommen Kind und Vorleser ganz schnell ins Gespräch.

Die Kleinen haben super viel Spaß, die Klappen hochzuheben und wenn wir als Vorleser kräftig dabei gähnen, ist das super spannend und macht den Kleinen ganz viel Freude. Außerdem haben die Tiere unterschiedlich viele Zähne und wir können durch Staunen über die Vielzahl oder das Fehlen von Zähnen zusätzlich das Interesse der Kinder wecken.

Alle müssen Gähnen" ist aus dem Verlag ArsEdition und wurde von Maria Höck aus dem Englischen übersetzt und von Anita Bijsterbosch illustriert.

Alle müssen gähnen und Baby- und Kleinkindgebärden

Allen voran passen hier vor allem die Gebärden für SCHLAFEN (Beide Hände an die Wange legen) und GÄHNEN (Mit der flachen Hand auf den offenen Mund klopfen). Und natürlich kannst du auch immer wieder die Tiergebärden mit einfließen lassen.


Bist du noch da? Du hast es geschafft. Bis hierher hast du jetzt etwa 6500 Wörter gelesen. Krass, oder? Ich glaube, das war mein bisher längster Artikel hier auf der Seite.

Jetzt bist du auf jeden Fall voll im Bilde, was es mit dem Vorlesen für Babys und Kleinkinder auf sich hat, warum dein Kind scheinbar kein Interesse an Bücher hat und wie du es für Bücher begeistern kannst.

Ich hoffe, du bist jetzt auch schon ganz heiß drauf, direkt mit deinem Kind loszulegen und dialogisch und mit Baby- und Kleinkindgebärden mit ihm zu lesen.

Wenn du bis hierhin gelesen hast, freue ich mich jedenfalls sehr darüber, wenn du mir einen Kommentar da lässt. Verrate mir doch, ob dein Kind sich schon für Bücher interessiert, ob du schon Gebärden dabei benutzt und was euer Lieblingsbuch ist. Sind noch Fragen offen geblieben, die ich dir beantworten kann?

Ich plane übrigens gerade eine Vorlese-Aktion mit Baby- und Kleinkindgebärden und vielleicht ist dann ja auch euer Lieblingsbuch mit dabei.

Wenn du mehr über das Thema Baby- und Kleinkindgebärden wissen möchtest, hol dir gern den kostenlosen magischen Fahrplan.

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