Wie du mit Baby- und Kleinkindgebärden beginnen kannst

Wenn du hier gelandet bist, stehst du vermutlich noch ganz am Anfang und fragst dich, wie du mit Baby- und Kleinkindgebärden beginnen kannst.

Die gute Nachricht ist: Du kannst im Grunde genommen nicht viel falsch machen.

Wenn du schon bald die ersten Unterhaltungen mit Hilfe von Gebärden führen möchtest, empfehle ich dir aber, ein paar Dinge zu beachten.

Also, los geht’s!

Solltest du überhaupt mit Baby- und Kleinkindgebärden beginnen?

Grundsätzlich ist mir kein Grund bekannt, warum du nicht mit Baby- und Kleinkindgebärden beginnen solltest.

Sie helfen allen Eltern von hörenden Kindern, sich besser zu verstehen, solange es mit dem Sprechen noch nicht so richtig klappt.

Also ja, du solltest mit Baby- und Kleinkindgebärden beginnen, wenn:

  • Du ein Baby oder Kleinkind hast, welches das Sprechen erst noch lernt
  • Dein Kind ein sogenannter Late Talker ist, also es zwar hören kann, aber mit dem Sprechen spät dran ist
  • mehrsprachig aufwachsende Kinder
  • Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerung
  • Kinder mit erschwertem Spracherwerb, zum Beispiel durch Down Syndrom oder Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte
  • Kinder mit leichter Hörbeeinträchtigung

Sie sind NICHT für gehörlose Kinder konzipiert. Insbesondere in den ersten Lebensmonaten kannst du zwar erstmal mit Baby- und Kleinkindgebärden starten, langfristig braucht ein gehörloses Kind aber eine weitergehende Förderung.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um mit Baby- und Kleinkindgebärden zu beginnen?

Ein „Zu spät“ oder „Zu früh“ gibt es nicht. Selbst für hörende Erwachsene können Gebärden hier und da sehr sinnvoll sein, zum Beispiel, wenn man lautlos oder über eine größere Distanz hinweg etwas mitteilen möchte. Auch können Sprachbarrieren zu anderssprachigen Menschen mit Gebärden leichter überwunden werden.

Und selbst Säuglinge können schon etwas damit anfangen, wenn du Gebärden zusätzlich zum Sprechen benutzt. Sie können uns auf diese Weise viel besser verstehen und beginnen zu lernen, dass sie mit Kommunikation etwas bewirken können.

Du kannst also ruhig von Geburt an beginnen, Baby- und Kleinkindgebärden zu nutzen. Dein Baby profitiert davon. Aber sei gewarnt. Dein Baby wird frühestens mit einem halben Jahr selbst Gebärden zeigen. Erst dann ist die Motorik und das Verständnis, dass Worte, Gesten und Gegenstände oder Handlungen zusammenhängen so weit entwickelt. Es könnte sein, dass du nicht lang genug durchhältst und dran bleibst.

Am besten startest du, wenn dein Baby 6-8 Monate alt ist. Dann wirst du wahrscheinlich in den nächsten Wochen oder Monaten Reaktionen und die ersten Gebärden deines Babys beobachten können.

Natürlich kannst du auch noch starten, wenn dein Kind schon größer ist und bereits die ersten Worte spricht. Immerhin dauert es nach dem ersten Wort noch 2-3 Jahre, bis dein Kind sich problemlos ausdrücken kann. Bis dahin werden ihm immer wieder Worte fehlen oder die Aussprache fällt deinem Kind noch schwer. Dann sind Gebärden eine tolle Möglichkeit, um diese Lücken zu schließen. Der Vorteil, wenn du später mit Baby- und Kleinkindgebärden startest, ist dass dein Kind wahrscheinlich schneller darauf reagiert und selbst nutzt, um sich mitzuteilen.

Mit welchen Gebärden startest du am besten?

Nun, dass sich das so pauschal nicht beantworten lässt, habe ich schon in meinem Artikel Die besten Babygebärden für den Anfang beschrieben.

Wichtig für den Anfang ist, dass du Gebärden auswählst, die für dein Kind interessant sind. Eltern, die gerade mit Baby- und Kleinkindgebärden beginnen, möchten häufig Gebärden für Hunger, Durst, Müde, Windel voll u.ä. kennenlernen. Aber seien wir mal ehrlich! Braucht dein Kind wirklich Gebärden, um das auszudrücken? Sind wir nicht eh beim kleinsten Mucks zur Stelle und wissen intuitiv, was los ist oder führen unseren Bedürfnis-Check durch?

Viel interessanter für dein Kind sind Gebärden für Dinge, die es erlebt, die seine Neugier wecken und die Spaß machen.

Das ist natürlich individuell verschieden. Was aber für die meisten Kinder eine Rolle spielt, ist die Gebärde für Nochmal, damit das schönste Spiel noch weiter geht. Oder die Gebärde für Mehr oder Milch, wenn es noch nicht genug hat. Kinder lieben Knöpfe drücken und sind fasziniert, wenn dann das Licht an oder aus geht. Viele Kinder sind begeistert von Musik. Wenn du dein Kind häufig mit Musik umgibst, biete ihm am besten auch die passende Gebärde dazu an. Auch Tiere sind immer wieder interessant, besonders, wenn du auch ihre Geräusche nachahmst.

Mit wievielen Gebärden du starten solltest

Du kannst so viele Gebärden wie möglich nutzen und brauchst dir keine Sorgen machen, dass du dein Kind überforderst. Du kannst das mit der Lautsprache vergleichen. Dein Kind ist den ganzen Tag von Sprache umgeben und das hilft ihm, sich nach und nach ein Bild von der Sprache zu machen, sie zu verstehen und sich schließlich selbst darin auszuprobieren. Je mehr Gebärden du deinem Kind zeigst, umso größer ist der Wortschatz, an dem es sich bedienen kann.

ABER: Es kann passieren, dass DU dich mit der Menge an Gebärden überforderst. Dir die Gebärden einzuprägen, ist dabei noch relativ einfach, weil viele Gebärden sehr bildhaft und intuitiv nachvollziehbar sind. Im Alltag auch daran zu denken, sie zu benutzen, ist dagegen schon deutlich schwieriger. Du weißt ja, wie es im Alltag läuft. Wenn dein Kind zum Beispiel Hunger hat und das schon sehr deutlich durch Weinen o.ä. ausdrückt, dann möchten wir sein Bedürfnis so schnell wie möglich befriedigen und schwupps, schon haben wir unseren Vorsatz, dass wir dich gebärden wollten, vergessen.

Deshalb, fang erstmal klein an! Such dir 3-5 Gebärden aus, auf die du dich im Alltag erstmal fokussierst.

Und wie startest du jetzt genau?

Die Bestandsaufnahme

Nun, ich empfehle dir erstmal eine Bestandsaufnahme. Notiere dir deine Erkenntnisse ruhig, um einen Überblick zu erhalten. Schau mal, wie ihr bereits miteinander kommuniziert. Wo verstehst du dein Kind schon ganz intuitiv anhand seiner Tonlage, Mimik oder Gestik.

Was umgibt euch den ganzen Tag über? Was macht ihr und was erzählst du deinem Kind schon häufig?

Welche Routinen habt ihr, die tagtäglich stattfinden? Das kann eure Morgen- oder Abendroutine sein oder vielleicht hast du feste Abläufe, wenn Essenszeit ist oder ihr rausgehen wollt.

Die Auswahl

Und jetzt wähle eine Hand voll Gebärden aus, die zu euch passen! Denk daran, die Gebärden sollten für dein Kind besonders interessant sein.

Wähle Gebärden für Dinge oder Handlungen, die sich regelmäßig, am besten täglich oder mehrmals täglich, wiederholen. Umso häufiger kannst du sie nutzen und umso besser kann dein Kind sie verinnerlichen.

Wähle bestenfalls Gebärden aus, die du während eurer Routinen nutzen kannst oder baue sie in eure Routinen ein! Macht zum Beispiel von nun an zusammen überall das Licht aus, bevor es ins Bett geht! Die Verknüpfung der Baby- und Kleinkindgebärden mit euren Routinen hilft dir, dass du im Alltag daran zu denken, sie auch zu benutzen.

Loslegen

Und jetzt einfach machen! Melde dich bei mir, wenn ich dir ein paar Gebärden zeigen soll, die du kennenlernen möchtest oder komm in meine Facebook-Gruppe Babygebärden lernen mit BINILINGO. Dort findest du bereits einige Baby- und Kleinkindgebärden.

Keine Angst, du kannst im Grunde genommen nichts falsch machen. Denk nur daran, die Gebärden beim Sprechen zu benutzen, so wie ich es im Artikel Was sind Baby- und Kleinkindgebärden beschrieben habe. Also sprich ganz normal mit deinem Kind, so wie du es immer tust und zeige die Gebärde zusätzlich.

Weitere Dinge, auf die du achten solltest, um die Sprachentwicklung deines Kindes zu fördern und schon bald verständlich mit ihm kommunizieren zu können, sind Teil meines Online-Baby- und Kleinkindgebärden-Kurses. Melde dich an und sei bei der nächsten Runde dabei!

Bis dahin steht mein E-Mail-Kurs dir kostenlos zur Verfügung, um einfach mal reinzuschnuppern.

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